Mystische Mistel

31/01/2017

Sicher kennt ihr sie alle, die Mistel. Als Halbparasiten sitzen sie auf den Bäumen fest. Im Winter, wenn die Bäume keine Nadeln mehr tragen oder wenn alles eher dunkel wirkt, leuchten sie in einem frischen Grün. Sie sehen aus wie Vogelnester. In unseren Breitengraden haben wir folgende Misteln, Tannenmistel (nur an Weisstanne), Föhrenmistel (Waldföhre, Schwarzföhre, aufrechte Bergföhre) und Laubholzmistel. Die Buche wird nie, die Eiche und die Fichte nur sehr selten, besiedelt. Misteln erwecken seit über 2000 Jahren das Interesse des Menschen. Ich liebe die Mistel, auch wenn mir natürlich bewusst ist, dass sie für die Bäume nicht nur gut ist. Misteln werden übrigens ca. 30 Jahre alt. Heute wird die Mistel vor allem bei Bluthochdruck eingesetzt. Die Misteltherapie gehört zu den am häufigsten angewandten Verfahren in der komplementärmedizinischen Krebsbehandlung im deutschsprachigen Raum, die von dem Begründer der Anthroposophie Rudolf Steiner und der Ärztin Ita Wegman initiiert wurde. Die Misteltherapie wird bis heute zumeist innerhalb der anthroposophischen Medizin zur Zusatzbehandlung bei bösartigen Erkrankungen und im Rahmen der Palliativmedizin zur Verbesserung der Lebensqualität eingesetzt. In der westlichen Medizin ist die Heilwirkung der Mistel bei Krebserkrankungen sehr umstritten.

 

Mich interessiert die Mistel vor allem, weil sie bei den Kelten DIE Pflanze der Druiden war. Für die Druiden - Hohepriester in Gallien und in Britannien- sozusagen unsere keltischen Vorfahren - war die Mistel die heiligste aller Pflanzen. Sie sahen sie als ein Zeichen der Götter an, welches den Menschen mitteilte, daß sie selbst im Baum anwesend seien. Die Druiden schnitten sie deshalb nur im Rahmen eines Gottesdienstes und nur mit einer goldenen Sichel ab, wobei darauf geachtet wurde, daß sie nicht zur Erde fiel, sondern in einem weißen Tuch aufgefangen werden konnte. Sie erklärten die nach ihrer Ansicht für alle erdenklichen gesundheitlichen Bedürfnisse der Menschen nützliche Mistel zur unverzichtbaren Zutat ihres kräftestärkenden "Zaubertranks". (Wer die Gallier "Asterix und Obelix" kennt, der weiß auch, worauf das für die Römer dann hinauslief!). Schließlich verteilten Druiden die Mistelzweige über der Haustür als Schutz gegen böse Geister. Aufgrund der magischen Wichtigkeit galt die Mistel früher auch als Allheilmittel. Zur Zeit der Wintersonnenwende und als Weihnachtsschmuck wird sie heute noch gerne an die Haustüren gehängt, um das Haus vor Schaden zu bewahren. Wer sich unter Misteln küsst, soll ein glückliches Liebespaar werden. Na dann viel Glück.

 

 

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