Die heilende Kraft des Waldes

14/10/2018

 

Hast du das Wort "Waldbaden" schon mal gehört? Ja, auch wieder so ein Modewort, ein richtiger Trend. Doch was bedeutet Waldbaden überhaupt? 

 

Waldbaden bedeutet für mich, so richtig in den Wald einzutauchen, sich mit dem Wald, den Bäumen, den Tieren und den Naturwesen zu verbinden, ins weiche Moos zu liegen und die gute Luft zu atmen. Eben, so richtig im Wald baden. Was bedeutet Waldbaden für dich?

 

Letzten Sonntag habe ich dieses Foto von mir mit dem Text "Erden und Energie tanken im Wald..." dazu auf Facebook gepostet und es

gab einige Kommentare dazu. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, heute über den Wald, die Bäume und die Naturwesen zu schreiben.

 

Bäume umarmen ist einfach wunderschön. Das hast du sicher auch schon gemacht. Bäume haben eine ganz spezielle Energie und wir dürfen uns etwas davon nehmen. Die Bäume teilen gerne. Natürlich stürmen wir nicht einfach in den Wald hinein und umarmen alle Bäume. Mehr dazu weiter unten.

 

Ich schreibe heute aber auch über den Wald, weil ich jetzt in den Herbstferien wieder die meiste Zeit mit meinem Mann im Wald verbringe. Wir lieben es einfach. Weitab der viel "bewanderten" Wanderwege, die Berge hoch und wieder runter zu kraxeln. Nur wir zwei, ganz alleine, tief verbunden mit der Natur, den Bäumen, den Pflanzen, den Wesen und dem Berg. Für uns zwei gibt es nichts Schöneres. Auch wenn wir es lieben durch die Welt zu reisen, wir sind beide richtige Zigeunerseelen, Waldbaden in unseren heimischen Wäldern ist immer noch das Schönste.

 

 

Frag die Bäume

"Bäume sind Heiligtümer.

Wer mit ihnen zu sprechen vermag

und ihnen zuzuhören weiss,

der erfährt die Wahrheit.

Sie predigen nicht Lehren und Rezepte,

sie predigen das Urgesetz der Lebens."

 

Hermann Hesse 

(1877 - 1962, Deutscher Dichter und Schriftsteller)

 

 

 

Vermittler zwischen Himmel und Erde

Unsere Vorfahren sahen in den Bäume Vermittler zwischen Himmel und Erde und zwischen den verschiedenen Reichen. Der Baum war ein Symbol für das Leben. Die Wurzeln des Baumes sind tief mit der Erde verbunden, der Stamm wächst zum Himmel hinauf, als würde er sich mit seiner ätherischen Energie verbinden wollen. 

Ihr ganzes Leben lang, zum Teil über tausende von Jahren, stehen sie am gleichen Ort. Sie sind somit automatisch tief mit dem Ort verbunden an dem sie ihr ganzes Leben lang stehen. Wir, die wir ständig hektisch durch die Welt rennen, können uns diese Standhaftigkeit und Ruhe zu nutze machen und uns ruhig öfters zu einem alten Baum hinstellen, uns an den Stamm lehnen und etwas zur Ruhe kommen. Von den Bäumen kann der Mensch sehr viel lernen.

 

 

Welche Bäume darf man umarmen?

Ich wurde auch gefragt, ob man denn jeden Baum umarmen kann. Also ja, eben wir fragen den Baum zuerst, ob es ok für ihn ist. Findest du das komisch? Ich finde es schön, denn in meinen Augen sind Bäume auch Wesen...sie sind unsere Freunde.

 

Den Baum zu fragen ist ganz einfach, wir berühren den Stamm mit einer oder beiden Händen und dann spürst du sofort, ob es sich richtig oder falsch anfühlt. Wenn es sich gut anfühlt, dann darf ich den Baum auch umarmen. Ansonsten kann man jeden Baum umarmen, es gibt keine guten oder schlechten Bäume. Wenn du Energie brauchst, dann suche dir lieber einen gesunden und starken Baum aus, denn du möchtest ja nicht einem kranken Baum noch seine letzte Kraft nehmen. 

 

 

Jeder Baum hat "seine" Energie

Das hast du sicher auch schon festgestellt. Eine Lärche strahlt eine eher sanfte Energie aus. Sie verkörpert Leichtigkeit und Selbstvertrauen. Eine Kiefer, zum Beispiel, strömt eine ganz andere Energie aus und wirkt eher wärmend, klärend und tröstend. Und so hat jeder Baum eine andere Energie.

 

Aber auch hier, jeder Mensch ist anders und empfindet die Energie eines Baumes anders und das ist auch ok so. Es gibt viele tolle Bücher über Bäume und ich habe ganz viele davon. Aber schlussendlich kannst du einfach deinem Gefühl trauen und selber für dich herausfinden, was du bei welchem Baum spürst. 

 

 

Meine grosse Liebe zu den Bäumen

Ja, ich LIEBE es mich mit der Energie der Bäume zu befassen. Sie sind auch immer ein wichtiger Teil meiner Kräuter Workshops. Ihre Energie fasziniert mich, seit meiner Kindheit und hat mich nie losgelassen. Bäume sind magische Wesen, die uralte Geschichten in sich tragen. Wenn wir

uns bewusst mit ihnen verbinden, können wir so viel von ihnen lernen. Für mich sind die Bäume so etwas von lebendig und wunderschön! Sie sind wie Gefährten. Ich kann fast nicht damit umgehen, wenn irgend wo Wald geschlagen wird, wenn Bäume zum Fällen markiert sind. Auch wenn ich vom Verstand her weiss, dass das nötig ist, es tut mir im Herzen weh. 

 

Falls dich das Thema Wald und Bäume auch interessiert, empfehle ich dir von ganzem Herzen das Buch "Bäume & die heilende Kraft des Waldes" von Adelheid Lingg. In diesem Buch werden ganz viele Bäume und ihre Wirkung beschrieben.

 

Du kannst auch nachlesen, was unsere Ahninnen und Ahnen über die Bäume gedacht haben und du findest tolle Rezepte in dem Buch. Adelheid Lingg beschreibt alles so schön und liebevoll, du wirst das Buch nie mehr aus der Hand geben. 

 

Erinnerst du dich an deine Kindheit, als du noch in Bäume geklettert bist? Einerseits macht es Kindern einfach Spass in Bäumen herum zu klettern. Auf der anderen Seite bin ich aber auch überzeugt davon, dass Kinderseelen die Energie der Bäume noch viel mehr wahrnehmen als wir und in den Bäumen Schutz, Trost und Ruhe finden. 

 

 

 

Darf man Bäume einfach so umarmen?

Bei meinem Facebook Post entstand auch die Diskussion, dass man Bäume ja eh zuerst um Erlaubnis bitten muss, bevor man sie umarmt. Ja, wie oben bereits beschrieben, sind auch wir davon überzeugt, dass Bäume Wesen sind und wir achtsam mit ihnen umgehen sollten. Wir haben ein Ritual, ohne welches wir so wieso keinen Wald betreten. Wir bedanken uns beim Wald, dass er uns aufnimmt und für all die Schätze, die er uns schenkt. Sei das die Kraft der Bäume, wenn wir sie umarmen. Oder das Harz, das wir gerne für Räucherungen und für Salben sammeln. Aber auch für die Pilze, das Holz, die positiven Energien und so weiter. Da könnte man noch viel aufzählen. Wir haben auch immer Mais, Tabak und/oder weissen Salbei dabei. Wenn wir etwas vom Wald nehmen, lassen wir auch immer etwas da. Das machen wir einfach, weil es sich für uns richtig anfühlt. Aber auch da, mach es einfach so, wie es sich für dich richtig anfühlt. 

 

 

Rituale zum Waldbaden

Jede/r kann so ein Ritual machen, einfach in dich hinein hören und spüren, was für dich stimmt. Es gibt auch da wieder kein richtig oder falsch. Man muss daraus auch keine grosse Sache machen. Mit einem achtsamen Herz durch den Wald zu laufen und mit einem dankbaren Herz und einem gesunden Mass z.B. Harz oder Pilze sammeln, reicht in meinen Augen bereits. Man kann dem Wald auch viel Gutes tun, indem man eine Tasche einpackt und all den Abfall, der überall herum liegt, einsammelt.  

 

Wenn man mit der Natur aufgewachsen ist, sind solche Sachen so wieso normal, gell. Ich finde es super wichtig, dass wir das alles auch unseren Kinder weitergeben. Die Dankbarkeit und Achtsamkeit der Natur gegenüber. Aber auch das Waldbaden, damit sie dann, wenn sie älter sind und Sorgen haben, auch in den Wald gehen und Heilung finden können.

 

Eigentlich ist es ja spannend, dass wir das oftmals ganz intuitiv machen. Irgend etwas scheint da doch noch von unseren Ahninnen und Ahnen hängen geblieben zu sein. 

 

 

Noch ein Buchtipp

Oh und dann kommt mir gerade noch ein anderes, wunderbares Buch in den Sinn. Es heisst

"Das geheime Leben der Bäume" und ist von Peter Wohlleben. Ein faszinierendes Buch in dem beschrieben wird, wie Bäume miteinander kommunizieren oder wie sie ihren Nachwuchs, aber auch alte und kranke Nachbarn liebevoll umsorgen und pflegen. Und nein, das ist nicht einfach Fantasie. Der Förster Peter Wohlleben zieht dabei wissenschaftliche Erkenntnisse heran und erzählt uns faszinierende Geschichten über ungeahnte Fähigkeiten der Bäume. Du wirst die Bäume danach noch respektvoller behandeln und bewundern. Einfach toll, dieses Buch! 

 

 

Ritual - Verwurzeln

Kennst du das Gefühl, neben dir zu stehen, den Boden unter den Füssen verloren zu haben und irgend wie nicht mehr in der eigenen Kraft zu sein? Das Gefühlt nicht mehr verwurzelt zu sein,

muss nicht nur negativ oder unangenehm sein. Auch grosse Begeisterung und Euphorie können dazu führen, dass wir abheben und den Bodenkontakt verlieren. Manchmal landen wir sanft, andere Male etwas härter.

 

Aber in der eigenen Mitte zu stehen, sich mit sich selbst, der Umwelt, den Mitmenschen und der Natur verbunden zu fühlen, ist die Basis dafür ein glückliches Leben führen zu können.

 

Stell dir einen Baum vor. Seine starke Verwurzlung macht es ihm möglich, hoch hinaus zu wachsen und ein weites Kronendach zu bilden. Mit diesem ganz einfachen Ritual, kannst du dich wieder so richtig mit der Erde verwurzeln und die Bäume helfen dir dabei. 

 

Du brauchst dazu nur einen Baum. Vielleicht hast du einen Lieblingsbaum, den du für das Ritual brauchen möchtest. Ansonsten gehst du einfach raus in die Natur. Bevor du den Wald betrittst, fühle in dich hinein. Wie fühlst du dich? Wie möchtest du dich fühlen? Und dann geh rein in den Wald, bitte ihn um Unterstützung für deine Verwurzelung/Erdung und schau, welcher Baum dich anzieht. Für so ein Ritual sind gerade alte Bäume gut geeignet, weil sie eine eigene, wundervolle Kraft ausstrahlen. 

 

Ich persönlich finde, dass es seinen Reiz hat, sich nicht gleich auf den Lieblingsbaum zu stürzen, sondern einfach mal schauen, welcher Baum einen anspricht. Jeder Baum hat seinen eigenen Charakter und ich glaube fest daran, dass du automatisch

zum "richtigen" Baum gehen wirst.

 

Vertraue darauf, für dieses Ritual, den Baum zu finden (oder er dich), den du gerade nötig hast. Vielleicht siehst du den Baum schon von weitem oder du "stolperst" einfach über ihn. Überlege nicht, geh einfach hin und schau, was passiert. 

 

Wenn du "deinen" Baum gefunden hast, bleib ein paar Meter vor dem Stamm stehen und nähere dich dann die letzten Meter bewusst und achtsam. Was nimmst du in diesem Moment wahr? Wie fühlt es sich an? Was strahlt dieser Baum aus? Es macht Sinn, sich mit einem starken, gesunden Baum zu verbinden, da ein kranker Baum die Kraft für sich selber brauchen wird. Lege, wenn du den Baum erreicht hast, zuerst deine Hände auf den Stamm und frag dich, ob du das Gefühl hast, an diesem Ort mit diesem Baum dein Naturritual durchführen zu können. 

 

Falls ja, frage den Baum, ob es für ihn auch ok ist. Wenn alles passt, setz oder stell dich mit dem Rücken zum Stamm und lehne dich an. Je weniger Stoff zwischen dir und dem Stamm ist, umso besser. Es macht auch Sinn, Schuhe und Socken auszuziehen, damit auch deine Füsse die Erde oder die Wurzeln des Baumes berühren. Nun lehne noch deinen Hinterkopf an den Stamm,

dann ist die Verbindung perfekt. 

 

Und jetzt? Eigentlich musst du gar nichts tun. Du kannst dich in Gedanken mit dem Baum verbinden. Konzentriere dich auf deine Atmung, dein Körpergefühl oder meditiere. Du kannst auch visualisieren, das mag ich am Liebsten, wie du dich so richtig an den Baum andockst, wie die Energie des Baumes (als Licht) von seinen Wurzeln über den Stamm und deinen Rücken zur Krone (oder Spitze) aufsteigt und wie du ein Teil von diesem Kreislauf wirst. Du kannst dir vorstellen, wie deine Füsse eigene Wurzeln bilden, sich tief in den Boden graben und sich mit den Wurzeln des Baumes verbinden. Wichtig ist, dass du dir Zeit nimmst. Eine halbe Stunde (oder länger) wäre super. Aber es sollten mindestens 10 Minuten sein, damit das Ritual wirklich Sinn macht. 

 

Wenn du das Ritual beenden möchtest, löse dich vom Baum bedanke und verabschiede dich. Ich lege jeweils noch eine kleine "Gabe" hin. Das kann Mais, weisser Salbei, Tabak oder Körner/Früchte sein. Einfach ein kleines Dankeschön. Vielleicht findest du für das nächste Ritual einen neuen Baum oder es zieht dich zurück zu "deinem" Baum. Du wirst es sehen. 

 

Es macht Sinn, sich nach diesem Ritual nicht gleich wieder ins pralle Leben zu stürzen, sondern

(wenn möglich) noch eine Weile bedächtig, achtsam durch den Wald zu laufen und das Ritual nachwirken zu lassen.

 

 

Naturwesen

Ja und dann sind da ja auch noch die Naturwesen. Glaubst du nicht daran? Je mehr du dich im Wald aufhältst, desto öfters wirst du das Gefühl haben, nicht alleine zu sein. Ok, da sind natürlich all die Tiere, die im Wald leben, die du hörst, spürst und zum Teil auch siehst. Aber ich glaube fest daran, dass im Wald auch Feen, Kobolde.

 

Wir finden die Naturgeister überall dort, wo die Natur noch lebendig und kraftvoll ist. Sie beleben und beseelen diese Natur, hüten, bewachen, bewahren und schützen ihre Kräfte und Schätze. Unaufhaltsam erneuern sie die verbrauchte, beschädigte Energie, so weit es ihnen möglich ist. Sie sind die vielen Helfer, die einst durch die Lichtströme der Engel bei der Entstehung der Erde geschaffen und geboren wurden. 

 

 

Von Zwergen, Feen und Elfen

Mit Naturgeister meine ich Zwerge, Kobolde, Gnome, Elfen, Feen, Trolle, Nixen, Undinen, Salamander und viele andere. Sie sind in einer feinstofflicheren Dimension zu Hause, einer Welt hinter und doch in unserer. Sie haben ihre Königreiche in sanften Hügeln, auf Inseln, in Flüssen, auf hohen Bergen, in der Tiefe des Meeres, unter der Erde, in Vulkanen und an vielen weiteren Stätten in der Natur. Sie sind in den Elementen zu Hause. 

 

Manchmal siehst du im Wald, aus dem Augenwinkel, irgend etwas vorbeihuschen. Ich glaube fest daran, dass das kleine Kobolde oder Trolle sind. Letzte Woche auf einer unserer

 

Wanderungen, ganz hoch und einsam auf dem Berg, sind wir auf eine Lichtung gekommen und wir waren beide ganz fest davon überzeugt, dass da Elfen, Feen und Zwerge leben. Es sah genau so aus. Mir ist schlussendlich egal, ob das wirklich so ist, aber für mich fühlt es sich richtig an und es macht mich glücklich. Und so dürfen wir das alle so sehen, wie wir es sehen möchten, gell.

 

Im Winter laufen wir gerne durch den Wald und verteilen Vogelfutter und Äpfel, einerseits für die Vögel/Tiere, aber auch für das kleine Volk. Dazu suchen wir Orte, zwischen Steinen, an Baumwurzeln, kleine Höhlen....wo wir uns vorstellen können, dass das kleine Volk lebt. So bedanken wir uns für ihr Sein und für all die Schätze, die wir über's Jahr vom Wald erhalten haben. So möchten wir etwas zurück geben. 

 

 

Das kleine Volk

Ich hab dir ja bereits schon einmal von dem Kartenset von Jeanne Ruland "Zauber der Naturreiche" - Naturwesen - wie sie uns behüten und beschützen - erzählt. Ich liebe dieses Kartenset und kann es dir sehr empfehlen, falls dich die Naturgeister auch ansprechen. Die Bilder von Petra Arndt sind einfach wunderschön, so lieblich. 

 

Hier ein paar Karten aus dem Set, damit du dir ein Bild davon machen kannst. Wie fast immer bei Kartenset's, gibt es auch hier ein Büchlein dazu mit ausführlichen Erklärungen zu den einzelnen Karten. Ich ziehe mir gerne eine Karte aus diesem Set, bevor ich in die Natur hinaus gehen. Aber auch sonst finde ich die Bilder einfach wunderschön zum Anschauen. 

 

 

 

Gottheiten der Alpen

Ja, ich weiss, dieser Beitrag ist schon super lang, aber ich möchte dir noch eine Sage aus dem Buch "Die Seele der Alpen" von Kurt Derungs erzählen. Auch das, ein wunderbares Buch, wenn du dich für alte Naturrituale und mystische Bräuche unserer Ahninnen und Ahnen interessierst.

 

Die alten Gottheiten der Alpen werden heute nicht mehr verehrt, doch der Glaube an die göttlichen Ahnen verschwindet nicht einfach so - sie leben in veränderter Form und Gestalt weiter. So zum Beispiel in Sagen und Bräuchen der Menschen und damit in deren Herzen. Im Alpenraum gibt es verschiedene Spuren, die darauf schliessen lassen, das in den Traditionen der Hirtenkultur die alten Naturwesen fortleben.

 

Diese Geschichte hat mich sehr angesprochen, da sie aus unserer Region (Prättigau, Klosters, in der Schweiz) kommt. 

 

 

Die Hirtin Madrisa

Im Bündner Prättigau in der Nähe von Klosters befindet sich beim Saaser Calanda die Bergspitze Madrisa. Dieser Name bezeichnet nicht nur eine Berggegend, sondern ist auch der mythische Name einer sagenhaften Hirtin und Alpfee. Die Leute im Tal erinnern sich sehr gut an ihre Geschichte. Madrisa lebte auf der Saaser Alp mit einem jungen Sennen zusammen. Woher sie kam und wer sie genau war, erzählte sie niemandem, und auch die, die heute ihre Geschichte erzählen, kennen ihr Geheimnis nicht.

 

Wahrscheinlich haben historische Veränderungen, darunter die Hexenverfolgung, die auch in diesem Tal fanatische Anhänger fand, die alteingesessene rätische Tradition zersetzt und

grösstenteils abbrechen lassen. Dennoch erzählen die Menschen noch heute von der schönen, jungen Madrisa mit ihren wallenden blonden Haaren, welche die Fee beim Schlafen umfingen wie ein Schleier. Sie kam eines Tages aus der Bergwelt zur Alphütte des Burschen herabgestiegen, der sich bei ihrem Anblick sogleich in sie verliebte. Sie teilten Bett und Hütte. Von der seltsamen Sennerin lernte der Hirt eine Menge zauberhafter Dinge. Sie kannte sich nämlich mit der Natur aus, besonders mit den Pflanzen und Tieren. Diesen gab sie kräftige Wurzeln und Kräuter, sodass die Kühe reichlich Milch gaben. Überhaupt herrschte Überfluss auf der Alp: an Milch, Butter und Käse, ebenso wie an der Gesundheit der Tiere, die von Madrisa bestens gepflegt wurden. So verbrachten die Sennin und der Hirte eine wonnevolle Zeit bis in den Winter hinein. Eines Tages kam nun der Vater des Jungen von Saas herauf zur Alp, um nach dem Rechten zu sehen. Er war sehr erstaunt über die reichen Vorräte und die gepflegten Tiere und fragte den Hirten nach der Ursache. Sein Sohn deutete sogleich auf Madrisa und schwärmte von ihren Fähigkeiten. Diese hatte schlafend in der Kammer gelegen und erwachte von der unbekannten Stimme. Sie trat ins Zimmer und sagte zum Vater: "Hättet ihr mich in Frieden gelassen, er wäre besser gewesen für euch und eure Herde." Und mit diesen Worten schritt sie aus dem Haus und entfloh in die Bergwelt des heute nach ihr benannten Gipfels.

 

Diese Sage berichtet im Kern von einer ehemaligen Kultur der Sennerinnen sowie von einer kenntnisreichen Alpfrau, von welcher der Hirte die grosse Kunst der Sennwirtschaft erlernt und von der er auch zum Mann initiiert wird. Reichtum und Glück sind die Folge, bis der Vater, der hier als "Patriarch" auftritt, die paradiesische Zustände (zer)stört.

 

Madrisa selbst gehört in der Schweizer Sagenwelt zu den Fenggen. Dies sind weibliche oder männliche Wesen, die in der Natur leben, besonders in den Wäldern. Werden diese abgeholzt, so sterben auch die Fenggen aus. Sie leben alleine oder in Gruppen, vielfach in Felsklüften und Erdhügeln, den sogenannten Fenggenlöchern. Ausserdem kennen sie die geheimen Kräfte der Pflanzen. Oft helfen sie den Menschen auf dem Hof, wo ihre Kenntinisse und Arbeit gern gesehen werden. Durch das Geläute der Kirchenglocken werden sie vertrieben, was ihre ausserchristliche Herkunft unterstreicht . Aus dem Buch "Die Seele der Alpen" 

 

So, und nun wünsche ich dir noch einen wunderschönen Abend. Vielleicht machst du heute ja noch einen Waldspaziergang, dann bleib einfach mal stehen und sei still. Was hörst du? Was bewegt sich dort hinten? Vielleicht ein kleiner Kobold? Oder einfach ein Vogel, der im Laub herum hüpft? Was auch immer es ist, geniess es einfach.

 

 

Von Herzen alles Liebe

Corina

 

 

Nächster Workshop - Räucherkurs "Zeit des Rückzugs" - Mittwoch, 24, Oktober 2018 - 18:30 - 21:00 Uhr - Büsch Weine in Maienfeld

 

 

 

 

Please reload

Featured Posts
Search By Tags
Follow Us

    14-Jul-2019

    10-Mar-2019

    Please reload

    © 2019, Corina Hemmi